Runewars: Der Kampf um Terrinoth

by Tyr on 19. January 2012

in Unplugged


Fantasy Flight Games sollten passionierten Brettspielern bekannt sein, denn die Firma hat einige Insider Tipps und große Klassiker in ihrem Line-Up, wie zum Beispiel Twilight Imperium. Vor kurzem ist mir Runewars ins Auge gestoßen und wenig später hat mir dann der nette Postbote meine Ausgabe in die Hand gedrückt. Kann man mit Runewars etwas anfangen? Das versuche ich im folgenden Artikel zu klären.

Vor fast tausend Jahren bündelte der große Magier Timmorran all seine Kraft in ein mächtiges Relikt, das Himmelssphäre genannt wird. Er hegte die Hoffnung, damit einen anhaltenden Frieden zu sichern, auch nachdem er aus der Welt geschieden war, aber er wurde verraten. Um die Sphäre dem Zugriff des Bösen zu entziehen, zerschmetterte der Magier seine Kreation – ihre Splitter wurden über die Welt von Mennara verteilt und nur den Nobelsten und Weisesten anvertraut.
Jahrhundert folgte auf Jahrhundert und es gab keinen dauerhaften Frieden. In Terrinoth erfuhren die Drachen von den in den grünen Weiten des Landes verborgenen Splittern. Die Drachen jagten die Splitter und versahen sie mit ihren eigenen machtvollen Runen. As die Jahre vergingen, nahm die Macht der Drachen ab, aber die Macht in den Splittern Terrinoths, nun Drachenrunen genannt, blieb bestehen.
Ein altes Böses entsteigt nun aus den Nebelländern. Waiqar der Verräter, auf ewig verdammt, Timmorrans Splitter zu erlangen, schickt seine untoten Armeen. Patrouillen der Latarielfen verschwinden seit einer Weile an der nördlichen Grenze. Man munkelt, dass der blutdurstige Unhold Uthuk Y’llan wieder seine alte Stärke erlangt hat. Währenddessen rufen die Herren von Daqan, stolze Nachfahren der alten Könige der Menschen, ihre Ritter zusammen und versammeln ihre Banner, bereit für den Krieg.
Die Zeit der Runenkriege ist über Terrinoth gekommen – das große Ringen um die Herrschaft über die Drachenrunen. Denn nur mit ihrer Macht kann man genug Stärke erlangen, um über Terrinoth zu herrschen und vielleicht irgendwann über ganz Mennara.

Gespielt wird auf Hexfeldern, die teilweise mit sehr hübschen 3d-Bergketten versehen sind, jeder Spieler steuert ein Volk – Dämonen, Untote, Menschen oder Elfen – und jedes Volk hat dabei unterschiedliche Truppen und Festungen, sowie Zugriff auf unterschiedliche Helden.
Ziel des Spiels ist es die extrem mächtigen Drachenrunen, welche im Spielverlauf aber nur als Siegpunkte behandelt werden, unter seine Kontrolle zu bringen. Sechs Stück reichen aus, um das Spiel zu gewinnen, jedes Volk beginnt mit zwei Runen. Diese werden verdeckt im Startgebiet der Spieler verteilt. Verdeckt, weil es auch “Täuschkörper” gibt, also Marker, die Drachenrunen sein könnten, es aber nicht sind.
Zusätzliche Drachenrunen werden hauptsächlich durch die Helden, die die Spieler neben ihren Armeen befehligen, akquieriert indem man sie auf Quests schickt oder sie Helden anderer Spieler, die schon Drachenrunenartefakte gefunden haben, angreifen lässt.
Andere Möglichkeiten sind der sogenannte “Wizards Council”, der häufig tagt und in Abstimmungen auch Drachenrunen verteilt, sowie die Risiko ähnlichen Aufträge, die jeder Spieler am Anfang des Spiels erhält (Zerstöre alle Riesen, Verbünde dich mit mind. 2 Drachen, Sammel 8 Nahrung etc.).
Natürlich kann man auch einfach Gebiete erobern, die Drachenrunen beinhalten.

Einerseits muss man keine zig Marker für Ressourcen und Gold verwalten, es gibt drei praktische Pfeilregler, die anzeigen wieviele Rohstoffe man besitzt und die politischen Stimmen, die man bei Abstimmungen und Diplomatie benutzen kann. Andererseits und FFG typisch, hat man viele verschiedene Kartenstapel zu verwalten: Neben den zu kontrollierenden Helden, ihren Schätzen und Quests (3 Kartenarten) hat man noch seine Befehlskarten, Taktikkarten, die man als Verstärker und Boni benutzt und den Auftragskarten (insgesamt 6 Kartenarten). Dazu kommen noch die Jahreszeitenkarten, jeder Spielzug entspricht einer der vier Jahreszeiten, in denen besondere Ereignisse passieren und bestimmte Basisregeln des Spiels vollzogen werden. Im Frühling kehren Befehlskarten auf die Hände zurück, im Sommer ziehen Helden zu Questen aus, im Herbst können Einfluss und Taktikkarten gezogen werden und im Winter wird das Maximum der Figuren pro Provinz gezählt und Überschüsse verhungern (nebenbei bemerkt: Eine sehr coole Art den Spielfluss ein bisschen Fluff zu geben).
Man sieht also vor lauter Spielkarten den Tisch kaum noch. Hinzu kommt, daß der Kampf und die Prüfung, ob etwas gelingt, nicht auf Würfeln basiert, sondern anhand eines abstrakten Kartenstapels, dem Fate (oder Schicksalsdeck) ausgespielt wird.

Trotz der Komplexität ist Runewars dennoch leicht zu erlernen, man muss nur etwas Zeit einplanen. Runewars ist abwechslungsreich und vielschichtig, denn es bietet eine Fülle an Spielmechaniken. Neben Kampf, Aufstellen von großen Armeen und dem Horten von Ernteerträgen, kann man Helden trainieren, Quests erfüllen lassen, Festungen ausbauen und vieles mehr. Es bietet dem Strategen zahlreiche Möglichkeiten sich auszuleben, enthält allerdings auch die Zufallskomponente durch Schicksalskarten.
Runewars bietet eine Fantasyatmosphäre mit stimmigen Figuren und sehr guter Qualität des Spielmaterials. Letzten Endes ist mein persönlicher Spaßfaktor bei Runewars sehr hoch und ich kann Runewars jedem empfehlen, der komplexe Strategiespiele und Fantasy Settings mag.

{ 6 comments… read them below or add one }

aleks_m January 19, 2012 at 20:32

krass, das ist schon wirklich schwere kost, hahaha, aber nicht minder interessant. man braucht für so ein game echt geduld. danke für den tiefen einblick.

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Sascha January 19, 2012 at 23:02

Sehr ausfuehrlicher Bericht ueber ein wie es scheint sehr interessantes Brettspiel! Die Figuren find ich sehr geil. Ich glaub ich muss mal ein paar Mitspieler fuer sowas finden… denke das wird nicht einfach werden… leider!

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aleks_m January 19, 2012 at 23:15

nun, wenn du in der nähe wohnen solltest bestimmt, denn, mich ausgeschlossen, haben wir 3 leute im team, die gerne unplugged abgehen ;-)

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aleks_m January 19, 2012 at 23:17

mainz ist ja jetzt auch nicht sooo weit weg ;-)

r00kabilly January 20, 2012 at 13:09

Sieht echt interessant aus.Gibt es das auch unter 60€ – Amazon Preis? :/

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Tyr January 20, 2012 at 13:29

Leider ist das günstigste Angebot 70€ . Aber ich muss sagen, dass der Preis gerechtfertig ist, allein die Menge des Inhaltes macht alles wieder gut.

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