
Mit Splinter Cell: Conviction bringen Ubisoft nun nach einigen Jahren den neusten Teil einer der beliebtesten Spielereihen der letzten Jahre heraus. Im Vorfeld schon kontrovers diskutiert haben Ubisoft Montreal einen neuen, actionlastigeren Weg eingeschlagen, mit einem sichtlich gealterten Sam Fisher. Wie sich das neue Konzept schlägt, erfahrt ihr im Folgenden.
Story
Die Story der Singleplayer Kampagne wird von einem alten Freund Sam Fisher’s in einem Verhör erzählt. Somit spielt man die Geschichte also in der Vergangenheitsform, nacherzählt von einem Dritten. Missionsbriefings etc. entfallen, was dem Spielfluss erstaunlich gut tut. Die Story selbst ist eine “typische” Agenten Geschichte, aber von der guten Sorte, wie sie in einem Hollywood Film vorkommen könnte. Wie immer gilt hier die Devise “Spoiler sind doof” und ich werde nicht näher darauf eingehen. Aber seid versichert, dass man mit einer spannenden und gut erzählten Story belohnt wird, die einige kleinere Twists enthält, der ältere, desillusionierte Sam Fisher gut zur Geltung kommt und mit einem sehr zufrieden stellenden Ende aufwartet.

Gameplay
In Splinter Cell ging es schon immer ums Schleichen, so dreht sich auch ein großer Teil des Conviction Gameplay darum, ungesehen seines Amtes zu walten. Altbekannte Spezialmanöver wird man aber vergeblich suchen, so gibt es keine akrobatischen Glanzleistungen mehr.
Der Stealthpart beschränkt sich auf das Schleichen im dunkeln und das Benutzen von Gadgets. Wenn man sich im sicheren Dunkel aufhält, wechselt die Optik in schwarz-weiß und zeigt einem so, dass man für Wachen unsichtbar ist. Ansonsten zeigen einem weiße Pfeile, dass eine Wache einen soeben gesehen hat, aber noch nicht alamiert ist, wenn dieser Rot wird, wurde man enttarnt und die Wachen eröffnen das Feuer. Nun hat man die Wahl: Sich wieder verstecken oder in den offenen Schlagabtausch gehen. Wenn man sich für Ersteres entscheidet, sieht man eine Silhouette an der letzten, den Wachen bekannten Position. Dies kann zu einem elementaren Bestandteil der Taktik werden, denn alamierte Wachen werden zuerst zu diesem Punkt laufen und anfangen zu suchen. Geschickt angestellt, kann man nun von einem anderen Punkt aus die Wachen lautlos per schallgedämpfter Waffe ausschalten oder sich von hinten heranschleichen.

Wenn man sich dafür entscheidet das Feuer zu eröffnen, stehen einem zwei Waffen zur Verfügung: Pistole und Zweitwaffe, die von MP über Schrotflinte bis zu Sturmgewehr reichen kann. Kurios hierbei ist, dass man unendlich Magazine für die Pistole besitzt, was zu teilweise absurden Situationen führen kann. Zum ersten Mal in der Serie kann man nun ein Deckungssystem nutzen, welches gut von der Hand geht. Die KI ihrerseits nutzt selbst Deckung und agiert durchaus klug, so bleiben Gegnergruppen, denen man schon viel Schaden zugefügt hat, in ausgeleuchteten Bereichen und warten, dass man selbst in den Angriff übergeht, was durch Ausrufe der Gegner klar wird. Wenn man versucht die KI lautlos auszuschalten oder an ihr vorbeizuschleichen hat man auch kein leichtes Spiel. So verteilen sich Wachen systematisch und kämmen Räume ab, nachdem man etwas getan hat, was Alarmbereitschaft auslöst, wie das Zerschiessen von Lampen etc.
Zusätzlich haben Ubisoft Montreal noch ein völlig neues Close Combat System eingebaut: So kann man per Druck auf die B-Taste ein Nahkampf-Manöver ausführen, wenn man nah genug an einem Gegner steht, sei es ungesehen oder im Eifer des Gefechtes. Nachdem man einen Gegner mit solch einem Manöver ausgeschaltet hat, kann man Gegner “markieren” und die markierten Gegner per Druck auf die Y-Taste automatisch ausschalten, sofern diese nicht in Deckung oder ausserhalb der Reichweite sind. Die Anzahl der maximal Möglichen Markierungen hängt von der Waffe ab und reicht von zwei bis vier Gegner. Zusätzlich kann man Gegner auch als menschlichen Schild benutzen oder diese von Brüstungen ziehen.
Im großen und ganzen ermöglicht einem der neue Fokus auf Action und das Deckungssystem seinen Spielstil noch viel mehr den eigenen Präferenzen anzupassen.

Splinter Cell: Conviction und seine Macken
Conviction ist aber leider nicht gefeit vor einigen Problemen: So ist die Grafik zwar Grafikfehlerfrei, aber stellenweise auch nicht allzu ansehnlich. Es tauchen häufiger niedrig auflösende Texturen auf, was zum Beispiel alternativ Outfits sehr matschig aussehen lässt und wem der Begriff “Tearing” nichts sagt, der wird spätestens nach Conviction Bekanntschaft gemacht haben. Genauso habe ich mir während meiner Zeit mit Conviction des öfteren gedacht “Aaaaaaaaaah, nicht schon wieder ein Aussenlevel! Und auch noch mit Licht…” und wenig später merkte man, wie die Engine “innerlich tobte”: Die Framerate geht merklich runter, zwar nicht auf einen Punkt wo man von Ruckeln sprechen kann, aber verzögerter Eingabe führen kann, was gerade in einem Flashback Level, was sich vollkommen auf den Shooter in Conviction konzentriert mehr als suboptimal ist.
Genauso ist Conviction zwar Bug-frei, aber das Element der “letzten bekannten Position” kann teilweise sehr seltsame Züge annehmen. Was als Gameplaymechanik gedacht ist, hat zwei Schwachstellen: Treppen und Brunnen. Die KI stürmt zu dem Punkt, an dem sie Fisher das letzte mal gesehen hat, wenn nun aber ein höhen Unterschied besteht, hat man leichtes Spiel: Die Wachen schauen nicht nach oben oder in den Brunnen/Schacht/etc. und man kann die anstürmende bzw. wartende Meute ohne Problem erledigen, zum Beispiel indem man diese mit unendlich Pistolenmagazinen eindeckt.
Mein Hauptproblem mit Conviction war aber die Kampagne: So waren Sam Fisher und ich gegen Ende der Story, garnicht mehr so gute Freunde. Vor allem das Leveldesign der Kampagne führt gegen Ende dazu, dass man nur von Schiesserei zu Schiesserei schleicht. Das Design ermutigt einen nicht dazu, die Schleich-Elemente zu benutzen, sondern viel eher dazu, seine Pistole und unendlich Munition einfach dazu zu nutzen Gegner solange mit Kugeln einzudecken und gelegentlich die Position zu wechseln, bis die Sache ausgestanden ist. Die Kampagne ist, vielleicht bewusst, extrem auf den Shooter in Conviction fokussiert, aber dieser kann mit Genre Größen nicht mithalten. Somit ist die Singleplayer Kampagne der mit Abstand schwächste Part in Conviction, da sie einem zu häufig keine alternative zur stumpfen Schiesserei bietet.

Die heimlichen Highlights
“Wenn die Singleplayer Kampagne so schwach ist, was ist denn dann das tolle an dem Spiel?” mögen sich jetzt einige Fragen. Die Frage ist einfach zu beantworten: Multiplayer und Zusatzmissionen. Die Zusatzmissionen bestehen aus zwei Spielmodi: “Jäger” mit sechs Karten und “letztes Gefecht” mit zehn Karten. Im Jäger Spielmodus, muss man eine festgelegte Menge Gegner am besten lautlos erledigen, denn wenn man gesehen wird, rückt Verstärkung an. In “letztes Gefecht” verteidigt man eine EMP gegen Wellen von Gegnern. Warum ist das besser als die Kampagne? Weil hier, unter anderem Dank offenerem Leveldesign, der Steath Part viel stärker mit der Action verzahnt ist und man wirklich die Freiheit hat zu entscheiden, wie man spielen will.
Und das wirkliche Highlight ist der Multiplayer. Hier hat man unter anderem eine Koop Kampagne zur Auswahl, in der man die beiden Agenten “Archer und Kestrel” spielt. Diese ist genauso wie die Zusatzmissionen nicht so linear aufgebaut wie die Singleplayer Kampagne und das Gameplay funktioniert blendend mit einem Kumpel. Sei es über Internet oder per Splitscreen. Zusätzlich sind noch die beiden Modi “Jäger” und “letztes Gefecht” im Multiplayer spielbar, sowie noch ein vierter Modus in dem man gegeneinander Antritt.
Für Langzeitspielspass ist also gesorgt und kompensiert die Singleplayer Kampagne vollends.

Fazit
Splinter Cell: Conviction ist wie die Liebe auf den zweiten Blick. Gegen Ende der Singleplayer Kampagne hatte schon fast keine Lust mehr auf das Spiel, da die vorhandenen Schleich Mechaniken garnicht zum Zuge kommen und vor allem der spätere Part zu non-stop Action verkommt. Die tollen Verhör-Sequenzen in denen Sam Fisher den Badass raushängen lässt, konnten da leider nichts reissen.
Nachdem ich mich aber an die anderen Spielmodi herangewagt habe, wurde ich eines Besseren belehrt. Hier kommt alles zur Geltung, was Ubisoft Montreal an Gameplay geschmiedet haben und man wird doch noch mit einem Stealther der Güteklasse A belohnt, den man aber je nach Bedarf auch wie Rambo spielen kann. Der Multiplayer ist grandios gelungen und trotz der knapp vier Stunden ist die Koop-Kampagne extrem unterhaltend und motiviert dank der Möglichkeiten auch zum zweiten Durchspielen.
Mit Splinter Cell: Conviction kriegt man ein grundsolides Spiel, das Freunde des Genres nicht überspringen sollten, da man hier ein qualitativ gutes und sinnvoll erweitertes Gameplay erhält. Über die Fehlerchen und schwache Singleplayer Kampagne kann man spätestens nach dem zweiten Blick hinwegsehen. Conviction ist definitiv kein klassisches Stealth-Spiel mehr, aber die actionlastige Frischzellenkur gepaart mit einem gelungenen Multiplayer tuen der Agentenreihe sehr gut.




{ 6 comments… read them below or add one }
Junge junge schöne ausfürliche Review weiter so ^^
sehr geile review, mein bester! informativ bis in die haarspitze, alles prätise und schlau auf den punkt gebracht und absolut fair geblieben. chapeau!
das hört sich ja so an das splinter cell und uncharted vermischt wurden nur das die mischung so gar nicht herhalten konnte…
wieder mal eine reihe in die veractionisierung gegangen… und wie ich finde grade die singleplayer kampagne finde ich ist der fokus in splinter cell gewäßen
naja weiter hoffen das die ps3 beglückt wird und auch hoffen das es trotz allem die fans gefallen wird
übrigens finde ich es ganz toll das ihr jungs keinen score sonder nur einen fazit dalässt, das ist fair und da hab ich dann meine meinung ende
nice! wieder ein klasse review! danke euch
DoC ich kann mich nur den anderen Jungs an schlissen und sagen das du da eine super Arbeit vollbracht hast!!!
Besser konnte man es auch nicht niederschreiben …
Doc as his best,
!!!
eigentlich wie immer hervorragend. Sauber gegliedert, spannend erzählt und nicht mit erforderlichen Informationen gespart.
Eine Rezension, wie man sie sich nur wünschen kann.
Mehr Lob fällt mir gerade nicht ein.
Glückwunsch. Als der “liebe Gott” das Talent zum Schreiben verteilt hat, hast du wohl zweimal HIER gerufen