Heavy Rain: Review und Gewinnspiel!

by aleks_m on 1. März 2010

Im Jahr 2005 erschien mit Quantic Dreams Fahrenheit ein Game, das für frischen Wind im angestaubten Adventure Genre gesorgt hat. Durch den geschickten Mix aus Quick Time Events und einer spannenden, wendungsreichen Story, die viele Entscheidungsmöglichkeiten ließ [...]

wurde das Genre zwar nicht neu definiert, aber zumindest auf einen neuen Level gebracht, der Spieler aktiv mit einbezog und somit für eine grandiose, adrenalindurchflutetete, aufregende Spielerfahrung gesorgt hat. Ein interaktiver Thriller par excellence.

Als Heavy Rain angekündigt wurde und die ersten Tech-Demos die Runde machten, war ich nahezu sofort angefixt. Next-Gen Grafik, eine tiefe und dramatische Story und dann noch von den Machern von Quantic Dream, das konnte nur gut werden. Ob Heavy Rain, wirklich das unfassbar tolle Spiel geworden ist, auf das viele so sehnsüchtig gewartet haben, erfahrt ihr in unserer Review:

Die große Depression – worum geht es???

Ethan Mars hat ein schönes und erfülltes Leben. Verheiratet, zwei Söhne, ein tolles Zuhause und dazu noch ein erfolgreicher Architekt.
Alles passt, alles ist gut. Doch einiges Tages, die Familie besucht ein Einkaufszentrum, verschwindet plötzlich Ethan Mars’ Sohn Jason. Voller Sorge und in Panik sucht der verzweifelte Ethan seinen Sohn. Er rennt aus dem Einkaufszentrum heraus und sieht seinen Sohn auf der andern Straßenseite. Dieser bemerkt seinen Vater und überquert ohne auf den Verkehr zu achten die Straße, als ein PKW sich mit hoher Geschwindigkeit nähert. Mit dem letzten Mute der Verzweiflung wirft sich Ethan schützend vor seinen Sohn. Das Bild blendet in ein Schwarz über und ab diesem Zeitpunkt beginnt die große Depression…..

Jason’s Tod hat die Familie zerstört. Ethan lebt in bescheidenen Verhältnissen getrennt von seiner Frau und sieht seinen zweiten Sohn Shaun nur ein paar Tage im Monat. Ethan selbst wurde schwer verletzt und lag 6 Monate im Koma. Er ist in psychiatischer Behandlung, hat rätselhafte Blackouts, leidet unter starken Schuldgefühlen und das Verhältnis zum Sohn ist angespannt. Langsam aber sicher nähern sich die Beiden an und verbringen einen schönen Tag auf einer Kirmes. Doch plötzlich verschwindet Shaun und das Drama nimmt seinen zweiten Lauf.

Zur gleichen Zeit treibt der Origamikiller sein Unwesen. Die Opfer sind Jungen zwischen 8 und 10. Alle Jungen sind ertänkt worden und halten eine Origami-Figur in ihrer Hand. Der FBI Profiler Norman Jayden, der mit starken Suchtproblemen zu kämpfen hat, versucht dem Serienkiller auf die Schliche zu kommen und bedient sich hier einer futuristisch anmutenden Technik, dem ARI, eine Art Virtual Reality Brille, mit der mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Hinweise erkannt und archiviert werden.

Aber auch ein dritter Spielbarer Charakter Sam Shepard ein Privatdetektiv, der schwer Asthmakrank ist, versucht für die Familien der Opfer auf die Schliche des Serienkillers zu kommen.

In die dichte Story gesellen sich noch zwei weitere Personen. Alle dieser 5 Protagonisten steuert ihr durch ihr eigenen Erzählstränge, die sich jedoch auch überschneiden.

Die Story ist düster, sehr spannend erzählt und voller psychologischer Theatraliken. Nahezu alle Charaktere sind perfekt implementiert in diese große deprimierende Stimmung, die metaphorisch in Form von nie enden wollenden Regens das Szenario bestimmt. Euer Handeln hat Konsequenzen und so kommen auch verschiedene Spielenden zustande, die ein erneutes Spielen durchaus reizvoll machen. Auch wenn hier und da einige Logikfehler zu beanstanden waren, die Story passt und ist für Freunde des Suspense Thrillers ein gefundenes Fressen.

Ohren- und Augenschmaus? Wie siehts aus? Wie hörts sich an?

Eine tolle Geschicht reicht allerdings nicht aus. Wie sieht es mit der audiovisuellen Komponente von Heavy Rain aus? Um es vorweg zu nehmen: Heavy Rain sieht einfach traumhaft aus. Die Charaktermodelle, für die Quantic Dream unzählige leibhaftige Schauspieler in enge Motion Capture Kostüme gesteckt hat, sehen, vor allem in den Ladebildschirmen, nahezu photorealistisch aus und die Augen sind das Beste, was ich je in einem Spiel gesehen habe.

Die Bewegungen sind natürlich und passen sich den Situationen an, was das Ganze noch ein Fünkchen realistischer wirken lässt. So wird ein Kragen hochgesteckt wenn es regnet, der Charakter schaut schnell nach links und rechts bevor er die Straße überquert oder hinkt und stöhnt bei Verletzungen. Die Licht und Schatteneffekt sind vom Feinsten und das Wasser in Heavy Rain ist wunderschön. In manchen Szenen habe ich mir mehrere Minuten nur angeschaut, wie mein Charakter durch Pfützen watet und die Regentropfen physikalisch korrekt auf der Oberfläche auftreffen. Wirklich klasse!

Die Architektur ist grandios. Seien es die durchgestylten Wohnungen, heruntergekommene Drogenumschlagsplätze, eine Diskothek, der Friedhof, die alte Lagerhalle….alles in wirklich beeindruckender optischer Präsenz und Qualität. Die Grafik ist ein definitives Kaufargument.

Kleiner Wermutstropfen. Die Mimiken der einzelnen Charaktere sind stellenweise zu starr und spiegeln bei weitem nicht die Tragik einzelner Momente wieder. Das ist sehr schade, denn wenn dies noch besser umgesetzt worden wäre, hätte es dem Spielgefühl um einiges besser getan. Aber dazu später.

Auch war vereinzeltes Tearing nicht zu übersehen und einige Slowdowns in den Cutscenes. Aber letztendlich weiß die Grafik von Heavy Rain zu überzeugen und kann durchaus als Kaufgrund gelten

Der Sound ist auf einem hohen Niveau, wenn auch in einzelnen Szenen der Sound-Mix schwankte. Auch war gerade in der deutschen Version das Stöhnen, bei Verletzungen oder beim Ziehen einer schweren Kiste viel zu übertrieben und fast schon störend. Die deutsche Synchronisation macht ihre Sache bis auf einige wenige Ausnahmen ganz gut, vor allem die sonore Stimme von Privatdetektiv Scott Shelby ist toll gelungen.

Die Musik von Heavy Rain ist wundervoll, wenn auch nach 10 Stunden Spielspaß doch ein wenig mehr Abwechslung wünschenswert gewesen wäre. Die Spannungsbögen innerhalb der Musik sind perfekt an das Szenario angepasst. So wird in dramatischen Situationen crescendo gespielt und auch atonale Komponenten bahnen sich ihren Weg durch das Klangspektrum. Allerdings nutzt sich die ständige Wiederholung dieser Dynamik auch ab und hat mich in bestimmten Situation leicht genervt. Aber der Gesamteindruck ist Top!

Ich drück’ Dich! Wie spielt’s sich?

Die Steuerung Eurer Charaktere ist eine Sache für sich selbst. Durch Drücken der R2 Taste bewegt er sich und mit dem linken Stick wird die Richtung angegeben in die er gehen soll. Das kann hin und wieder ganz schön hakelig sein. Die gesamte Steuerung und Aktionen, die Euer Charakter vollführen kann erinnerte mich einige Male an die Sims. Ich meine hiermit die Echtzeitkontrolle alltäglicher Dinge. Wollt Ihr Einen Kaffee trinken? Einfach den rechten Stick nach oben schieben und schon wird die Tasse an Euren Mund geführt.

Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Ihr könnt Krawatten binden, Euch umziehen, duschen gehen, essen, mit Kindern spielen, Verbände anlegen und, und, und. Zu jeder Zeit werden Eure Fingerchen benötigt. Dies kann aber muss nicht eine größere Nähe zum Charakter erzeugen. In einzelnen Szenen habe ich mich ertappt, dass ich überhaupt keine Lust hatte zum Beispiel ein Baby zu wickeln um in der Story fortzuschreiten.

Wenn Ihr die L2 Taste drückt, könnt Ihr den Gedanken der Charaktere lauschen. Die Worte umgeben Euren Charakter und mittels der Tasten, könnt Ihr Euch für ein Wort entscheiden und lauscht dem gesagten. Dies ändert sich permanent und so kommen immer wieder wichtige persönliche Eindrücke zum Vorschein, die Euch in bestimmten Situationen weiterhelfen können.

Die Quick Time Events sind im Verhältnis zu Fahrenheit wesentlich einfacher geworden. Auch hier müsst Ihr ein gutes Timing haben und in der richtigen Zeit, die richtig vorgegebene Taste drücken. Das System ist allerdings sehr gnädig und verzeiht einige Fehler. In manchen Situation allerdings können sich Eure Finger leicht verknoten. Denn es müssen nicht nur Tasten im richtigen Moment gedrückt sondern auch noch in Verbindung mit anderen Tasten gedrückt werden. Und auch die Sixaxis Steuerung kommt dabei nicht zu kurz. All das ist gut schaffbar, ist doch der Schwierigkeitsgrad nicht sehr hoch. Die Quick Time Events lenken zu keiner Zeit von den Aktionen die zu sehen sind ab und alles läuft flüssig. Die Kampfszenen sind spektakulär und machen viel Spaß.

In einigen Szenen hat der Mix aus Quick Time Events, Musik und Situation den Puls ins unermessliche getrieben. Zu fliehen, während man in einem Splitscreen die alamierten Polizisten heranstürmen sieht und dies getragen von einer dramatischen Musik…der Knaller! Von diesen Momenten gibt es einige tolle und dies ist ein ganz großer Pluspunkt für Heavy Rain.

Allerdings wird in Heavy Rain das „Buttongemashe“ stellenweise übertrieben. Soviel Charakternähe brauche ich dann doch nicht, dass ich einem auf der Straße liegenden Charakter mittels 3 verschiedenen Tastenkombinationen in die Vertikale hieve. Leider kommt dies in Heavy Rain des öfteren vor und hat mich einfach nur genervt.

In den vielen aber auch sehr interessanten Dialogen ähnelt das Vorgehen dem des Gedankensystems. Euch umgeben Stichwörter, die Ihr anhand der dazu eingeblendeten Tasten wählen könnt. In angespannten und stressigen Situationen wird die jedoch zunehmend schwieriger, da die Worte wild um Euch herum kreisen und Eure Augen stark gefordert werden. Dies jedoch verstärkt das Panikgefühl ungemein.

Nach ca. 12 Stunden hat man Heavy Rain durchgespielt.Wie schon oben erwähnt lohnt sich ein zweites Durchspielen. Ihr werdet den gesamten Ablauf zwar nicht verändern können, werdet aber alternative Enden und Episoden haben. Es kann durchaus auch sein, dass ein Charakter stirbt

Und wie isses jetzt?! Das Fazit

Heavy Rain kann eine emotionale Achterbahnfahrt sein. Trauer, Wut, Verzweiflung, Aggressionen, Panik, Angst all dies kann der Spieler durchleben. Das Konglomerat von Quick Time Events, tiefer und spannender Story, einem durchweg düsteren Szenario und der fantastischen Grafik können überzeugen. Allerdings hätte ich es sehr begrüßt, wenn es klassische Rätsel gegeben hätte. Die Echtzeitkontrolle alltäglicher Dinge ist mir persönlich too much. Auch muss ich ehrlich zugeben und ich weiß nicht ob es daran liegt, dass man aufgrund einer geplanten Review zu pragmatisch an die Sache rangeht, dass mich Heavy Rain nicht so gepackt hat, wie ich es mir gewünscht habe. Vielleicht war auch die Vorfreude zu groß. Heavy Rain ist klasse, keine Frage aber es ist nicht unfassbar, grandios oder gar genial. Super Unterhaltung, toll gemacht aber für mich nicht gehaltvoll und mitreißend genug. Wenn ich Heavy Rain eine Prozentzahl geben würde, dann wäre dies die 84! In diesem Sinne leite ich geschmeidig über in unser Gewinnspiel! Euer _M

Gewinnt 1 x Heavy Rain für Playstation 3

Was müsst Ihr tun?

Beantwortet folgende Frage:

Wie ist der Name der Schauspielerin, die für Madison, einer der 5 spielbaren Charakter, Modell gestanden ist?

Schickt die richtige Lösung an aleks@nerdzonfire.de. Im Betreff sollte stehen “Heavy Rain-Gewinnspiel”. Einsendeschluß ist Sonntag der 7. März 23:59:59. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Viel Glück! Eure NoF’s

{ 6 comments… read them below or add one }

PlayDuDe März 1, 2010 um 02:23

diese Review war einfach nur SÜPERB! :D

Antworten

PsychoGramm März 1, 2010 um 07:08

Jungs wieder ne super Arbeit, bitte macht so weiter ! ! ! …………….

Antworten

YngveItsch März 1, 2010 um 08:34

Eine gewohnt interessante, informative und kritische Review!

Antworten

fireandice März 1, 2010 um 21:44

Ich ziehe meinen Hut! ICH BIN ABSOLUT BEGEISTERT!!! BESSER KANN MAN DAS NICHT IN WORTE FASSEN. Irre gut erzählt. Die Mischung aus der Schilderung von Millieu, Storyboard, der Charaktere, der Möglichkeiten für den Gamer, der Pros und Cons des Games, die Querverweise auf andere Games … ist absolut ausgewogen und die Clips belegen, was gschrieben wurde.
Quality made in Bonn!!!

Antworten

fireandice März 1, 2010 um 21:46

Sorry:”gEschrieben” (mein e klemmt auf dem Keyboard)

Antworten

TheChuck März 7, 2010 um 11:18

Bin super gespannt auf dieses Spiel … nach dieser Einführung!!!

Antworten

Leave a Comment

Please leave these two fields as-is:

Previous post:

Next post: